Im Februar 2024 habe ich nach Jahren der Selbstständigkeit als Comiczeichnerin meinen eigenen Etsy Shop eröffnet und verkaufe darüber meine Comicmotive auf Stickern, aber auch Artprints, Lesezeichen, Postkarten usw.
Am Anfang habe ich mir (wie vermutlich jeder andere auch) die Frage gestellt: Eigen- oder Fremdproduktion? Ich für meinen Teil habe mich entschieden, alles selbst zuhause herzustellen, was für mich technisch machbar ist. In diesem Blogpost gebe ich euch einen Insight über meine genutzten Geräte, Materialien und Workflow. Das ist mein persönliches Setup, mit dem ich aktuell zufrieden bin und das für mich am besten funktioniert. Hier im Artikel fokussiere ich mich auf die Stickerproduktion.
Aktueller Stand: 02/2026
Genutzte Tools & Materialien
Drucker: Canon PIXMA iX6850 (ehemals: Epson Ecotank ET-2856)
Damit drucke ich alles, was ich zuhause produzieren möchte. Ich empfehle für solche Projekte unbedingt einen Tintenstrahldrucker, keine Laserdrucker, da sie für farbechte Ausdrucke besser geeignet sind.
Plotter: Siser Juliet
Meine gedruckten Sticker bekommen dadurch diesen tollen Konturschnitt. Relativ teuer, aber sehr zuverlässig. Der Plotter kommt mit einer gratis Software namens Leonardo® Design Studio.
Schneidematten: Siser Schneidematte (High & Light Tack)
Ich nutze die Originalmatte von Siser, aber man kann sich auch günstigere Matten bestellen. Sie erfüllen alle den gleichen Zweck und fixieren das Stickerpapier, damit es beim Plotten nicht verrutscht und um eine Unterlage für den Schnitt bereitzustellen, damit das Gerät nicht zerkratzt und die Klinge länger hält.
Stickerpapier: PPD-38 mattes, weißes Vinyl Stickerpapier
Habe mich durch verschiedenes Stickerpapier getestet und empfand dieses hier von der Qualität als sehr gut.
Veredelungsfolien:
Um den Stickern einen schönen Feinschliff zu geben und sie vor äußeren Einflüssen zu schützen, nutze ich verschiedene Veredelungsfolien, die man nach dem Druck und vor dem Plotten aufbringt. Unter anderem: Soft Touch Folien, Glitzerfolien mit Sternen, Holo und Broken Glass Optik. Es gibt ganz viele unterschiedliche Folien, tobt euch da gerne aus.
Sonstiges Zubehör:
Eine Pinzette zum Lösen der Sticker von der Matte, ein Cuttermesser für manuelle Nachbearbeitung und ein Rakel zum Folieren (mit Filz an der Kante) gehören zu meiner minimalistischen Ausstattung, die ich jedem empfehlen würde.
Workflow
Brainstorming
Als erstes überlege ich mir ein Thema für ein neues Sticker Update. Ich möchte für ein Update meistens so 3-5 neue Motive haben, die thematisch zueinander passen und nicht nur optisch schön aussehen, sondern auch eine gewisse Zielgruppe so ansprechen, so dass sie potentielle Käufer anzieht. Wenn du deine Sticker nur für dich gestaltest, ist dieser Hintergedanke weniger relevant, für mich als Selbstständige ist das aber sehr wichtig. Ich kritzel meine ganzen Ideen und Ansätze hauptsächlich digital, nichts davon muss in dieser Phase schön aussehen oder schon funktionieren („Just make it exist first, you can make it good later“). Hier frage ich auch Freunde nach Ideen, stöbere mich durch Etsy und überlege, wovon es vielleicht noch nicht so viele Motive gibt, die aber dennoch gefragt sein könnten.
Skizzen vorarbeiten
Wenn ich mit der Richtung und dem Thema zufrieden bin, starte ich mit den ersten richtigen Skizzen. Hierbei habe ich immer im Hinterkopf, dass die Motive zwar für Sticker optimiert werden, sie aber im Bestfall auch für andere Printmedien funktionieren können, da ich z.B. auch Lesezeichen, Anhänger und manchmal sogar Notizblöcke anbiete. Wenn man sich zu häufig in Details verliert, sollte man sich vorab Gedanken machen, wie groß die Sticker am Ende werden. Dabei hilft es, sich die Skizze einmal in verschiedenen Maßen auszudrucken oder die grobe Form in der gewünschten Größe auf Papier zu zeichnen und dann auszumessen. Meine Stickermotive sind inkl. der weißen Outline meistens so zwischen 60 und 75 mm an der längsten Seite. Sehr flächige Sticker mit ähnlichen Höhen- und Breitenmaßen lege ich etwas kleiner an.
Die Skizzen selbst zeichne ich auf meiner großen digitalen Leinwand (meistens ca. 3000 x 3000 Pixel oder A4 mit 300 dpi) erst in klein vor, damit ich mich nicht zu sehr in Details verliere und auf das Wesentliche konzentriere. Die Strichstärke darf da auch schon gerne so dick sein, wie ich sie am Ende mag. Wenn mir die Skizze gefällt und es den Spiegeltest bestanden hat (Leinwand einmal spiegeln und dann nachsehen, ob das Motiv irgendwie ungewollt krumm und schief wirkt, eventuell nachkorrigieren bei gespiegelter Ansicht), ziehe ich sie auf die Leinwandgröße hoch. Dabei wirken die Outlines möglicherweise sehr dick, aber das ist okay, weil wir den Sticker am Ende für die Produktion ja wieder kleiner skalieren. Aber das Rohmaterial darf gerne ganz groß sein.
Druckvorbereitung
Das Vorbereiten für den Druck startet schon beim Zeichnen selbst. Die Outlines ziehe ich mit einem Brush meiner Wahl nach, dabei achte ich auf 100% Deckkraft und ein sättigendes Schwarz. Das kann bei eurem Artstyle aber alles ganz individuell sein. Beim Einfärben möchte ich hauptsächlich Farben im CMYK Farbraum nutzen und nichts super Extremes (außer Schwarz und Weiß). Das ist wichtig, weil viele Druckereien heutzutage zwar RGB automatisch vor dem Druck in CMYK umwandeln, aber eben nicht alle und es bei einem falschen Farbprofil zu matschigen und zu dunklen Ausdrucken kommen kann. Wenn ihr richtige Profis seid, sucht ihr auf der Website eurer Druckerei vorher nach dem genutzten Farbprofil für euren Anlass, ladet es runter und könnt direkt damit arbeiten bzw. das Motiv am Ende damit exportieren.
Für die externe Produktion kann ich keine individuellen Tipps geben, weil jede Druckerei da andere Anforderungen hat. Normalerweise kann man aber über deren Webseiten Datenblätter für das jeweilige Produkt herunterladen, die einem dann genau mitteilen, wie sie die Druckdaten haben wollen. Wichtige Informationen, die dort stehen, betreffen meistens das Farbprofil, die Maße, die Dicke der weißen Outline, aber auch mögliche Angaben zum Beschnitt oder die Farbe, in der die Stanzkontur angelegt werden soll (meistens 100% Magenta als extra Ebene oder Sonderfarbe). Es gibt aber auch Druckereien, die sowas für dich übernehmen und du musst nur dein Motiv hochladen.
Produktion
Wenn ihr eure Sticker extern produzieren lasst, dann ist dieser Punkt für euch irrelevant.
Meine Sticker drucke, veredle und plotte ich zuhause selbst. Das mache ich mit den oben genannten Geräten und Materialien, wobei ich mich da gerne immer mal wieder rumprobiere. Mir persönlich gefällt nicht, wie meine Software für den Plotter die Outlines anlegt, deshalb mache ich das vorher einmal in Illustrator und kann die Ecken alle etwas abrunden. So verringere ich die Gefahr, das die Sticker beim Lösen vom Trägerpapier aus Versehen einreißen. Mein Programm setzt auch automatische Passermarken, so kann der Plotter mithilfe der integrierten Kamera einmal die Ecken des Ausdrucks abfahren und die Schnitte präziser setzen.
Wenn alle Motive inkl. Schnittkonturen im Programm gesetzt sind, dann drucke ich das Projekt direkt aus Leonardo aus, foliere es mithilfe meines Rakels und lasse den Plotter die einzelnen Sticker ausschneiden, nachdem ich das Papier präzise auf meiner Schneidematte befestigt habe. Die Settings für Schnittgeschwindigkeit und Druck stelle ich am Gerät selbst ein, es ginge aber theoretisch auch in der Software. Diese hängen von mehreren Faktoren ab, z.B. ob ich dicke oder dünne Folien nutze oder ob meine Sticker Die-Cut (voll ausgeschnitten, einzelne Sticker) oder Kiss-Cut (Sticker auf einem Stickersheet) sein sollen. Wenn alles richtig eingestellt ist, werde ich am Ende mit perfekt zugeschnittenen Stickern belohnt und das überschüssige Material wandert in den Mülleimer.